Erstes bloggisches finnisches Lebenszeichen.

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So meine Dudes und Dudinas, sorry für die relativ lange Wartezeit, aber das Leben und vor allem der Einstieg eines YOLO-MOLO-Ersamus-Studenten, oh Pardon „Studierenden“, ist eben extrem angstregend.

Zuallererst: Ich bin noch nicht erfroren, habe mich erst dreimal verlaufen und in den See gefallen bin ich auch noch nicht. Alles also supi dupi.

Da seit meiner letzten Blog-Publikation schon einige Zeit vergangen ist und unfassbar viel „Experience“ geschehen sind, will ich dem Ganzen hier mal einen chronologischen Touch geben und schieße mit der Anreise los.

Der absolute Hahnsinn

Los ging es vorletzten Sonntag vom kleinen aber feinen Airport Frankfurt Flughafen Hahn. Nicht Frankfurt, sondern HAHN! Auf diesem winzigen Hunsrück-Hotspot, wo sich die Gates drei Meter hinter dem Check-in befinden, dachte ich es sei in Ordnung 90 Minuten vor dem Flug einzutrudeln. Denkste. Als ich meinen Boardingpass der Damen an der genannten Örtlichkeit vorzeigte, entbrannte in ihr ein rheinlandpfälzisches Feuer und sie schrie:

TAMPERE!!! OOOAH DAS KANN DOCH NICHT SEIN! KOMMEN SIE MIT!

Bei dem Versuch der aufgebrachten Mitfünfzigerin im Schockzustand zu folgen, streifte ich mit meinem feschen Handgepäck-Trolli leicht ihren Fuß.

„Wenn du mir jetzt über die Füße fährst, bin ich richtig sauer!“.

Die Transformation von “Sie” zu “du” verdeutlichte: Noch ein falscher Schritt und dann ist Polen offen. Panik setze bei mir ein. Survival Mode on. Sie rannte weiter, ich wie der erste Mensch hinterher. Wie eine wilde Löwin bahnte sie sich den Weg vorbei an der Warteschlange. Kurz vor den Rollbändern hob sie die Absperrbänder und schob mich mit festem Griff in die ersten Reihen. So. Ich hatte die erste Hürde überlebt. Bei der Kontrolle dann aber die nächste Überraschung: Ich hatte ein Feuerzeug im Handgepäck vergessen. Hurrei! Das passt ja überhaupt nicht zu meinem Naturell…Dieses kleine, fiese Ding hatte es sich natürlich in der letzten Ecke gemütlich gemacht und schien diabolischen Spaß daran zu haben, dabei zuzusehen wie ich mein komplettes Handgepäck offenlegen musste. Hach, I love Fliegen <3. Im Endeffekt wartete ich eine Stunde gelangweilt am Gate, den Stress mit der Check-in-Tussnelda habe ich immer nicht so ganz verstanden.

RAiNair

Deutschland 2pm. Die Frisur sitzt.
Deutschland 14:00 Uhr. Die Frisur spritzt.

Im strömenden und kalten Regen hob ich mit dem irischen Billigflug-Anbieter ab, hinein ins sonnige Tampere. Am Flughafen wurde ich direkt von meinem Tutor Jami (sprich: Yummy höhö ) vom Flughafen abgeholt und zusammen mit einer anderen Deutschen Austausch-Studentin, die im selben Flieger war, in meine neue Hood chauffiert. Neben einer finnischen Sim-Karte und einer Monatsbusfahrkarte, hatte mein perfekt vorbereiteter Tutor in Sachen Fashion noch etwas Tolles am Start: Einen blauen Overall mit zahlreichen bunten Aufnähstickern, Hawaiiketten und Hello Kitty-Anhängern. Mein erster Gedanke: „ Ah, ein Techno-Freak, das machen die Raver hier anscheinend so “. Aber Jami hat mich eines Besseren belehrt: Die Overalls heißen opiskelijahaalari und werden in allen finnischen und schwedischen Unis getragen und mit Aufnähern von bestimmten Events beschmückt. Die Farbe der Overalls steht für deren Studienrichtung. Da gibt es zum Beispiel auch Orangene… Ihr könnt euch denken an was mich das erinnert: Ein Müllmann auf der Nature One. Egal weiter geht die wilde Gaudi.

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Overalls der Studenten. Pro Event gibt es einen Aufnäher, im Englischen “patch”.

 Lapi-Lake

Mein Zimmer ist klein fein und direkt in einem Wohntrakt am See. Im „Lapinkaari“ werden die meisten International Students untergebracht. 12 qm + eigenes Bad und eine Gemeinschaftküche im Gang. Mit einer kleinen Tour ins nahe gelegene schwedische Möbelimperium wird’s auch wirklich wohnlich. Die Liebsten an die Wand geklebt und fertig ist der Lack. Wie in fast jeder finnischen, sanitären Anlage gibt es neben der Toilette speziellen Brausen. Ich nenne sie liebevoll Ar***-Brause, da sie ein Bidet ersetzen…Alternativ kann man sie auch zum Haarewaschen im Waschbecken verwenden, hab ich schon ausprobiert, geht super.

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Hygienisches Gimmick in Finnlands Toiletten

In die Stadt kommt man mit Bus, Bike oder per pedes auch ganz fix. So viel erstmal zur Unterkunft (die Sauna hatte ich ja schon im letzten Post erwähnt).

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Oh wat ist dat schiieee

Welcome to the Sauna Show

Diese Woche war unsere Orientierungswoche. Zum Orientieren und so. Es begann mit einem Formular-Marathon, einer Überschütten mit gefühlt 122 Freischalt- und Ausweiskarten und ca. 700 Webseiten zum Einloggen. Aber am zweiten Tag kam sie auf uns zu, die Klischeepeitsche: Das erste Sauna Event. Nach einer mehr oder weniger exessiven Schnitzeljagd durch Tampere, ging es an bzw. in den See und anschließend in die mobile Zeltsauna. Viele Sauna-Jungfrauen kamen dort zum ersten Mal in den Genuss. Letzteres ist vollkommen ohne Ironie zu lesen. Saunas sind super und hier einfach ÜBERALL. Am See, in den Wohnblöcken, im Unigebäude und und und. Hätten die Finnen als erstes ihre skandinavischen Füßchen auf den Mond gesetzt hätte, hätten sie statt einer Fahne erstmal eine Sauna errichtet und spacig sauniert. Uns mehr oder weniger Saunafremdlingen wird von den Finnen netter Weise gestattet mit Bikini, Monokini, Burka oder Borat-Tanga in der Sauna rumzuschwitzen. Die Einheimischen sind nackt, natürlich. Ich bin ja immer für Integration zu haben und will auch mit den kulturellen Schwingungen hier mit swingen, aber da haben auch über zwei Jahre Ossi-FKK-Atmo an der Mittweida Torfgrube (Badesee) nichts gebracht: Ich bleibe noch der prüden Bikini-Fraktion treu. Das einzige was neben dem Bier, welches zum Teil statt in den Mund, auf die heißen Lavasteine wandert, ein Muss in der Sauna ist, ist ein kleines Holzbrett oder ein Handtuch. Das wird aus hygienischen Gründen unters Gesäß platziert. Hygiene muss schon sein, nu.

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Mobile Zelt-Sauna mit Umzieh-Zelten
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Saunarium

WunderBARes Tampere

Hier erst mal genug von Sauna, es ist momentan nämlich noch fast zu heiß um zu saunieren, zumindestens für die meisten Nicht-Finnen. Ich bevorzuge dann doch lieber das kühle Nass, von dem es hier wirklich unfassbar viel(!) gibt. Wer hätte das gedacht, dass ich in Finnland am Strand an meiner Bräune arbeiten kann?

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Neben viel Wossoa (wie es die Sachsen zu pflegen sagen) und viiiel Grün, sieht man hier teils beeindruckende instustrielle Gebäude die Tampere ihren eigenen Charme verleihen (Das hört sich jetzt an wie aus Wikipedia oder aus einem Reiseführer abgeschrieben, aber is halt so!).

Und liebe Leute, da wars noch lange nicht, denn zudem reihen sich hier in Tampere unzählige, stylische, sowie urige Bars und Kneipen aneinander. Auch die Clubszene ist nicht von schlechten Eltern und hat meine ersten Checks schon bestanden. Das und vieles mehr hat einen eigenen Blogeintrag verdient. Ich muss mich jetzt erst noch einmal durch die 1578 Websiten forsten und mich in Kurse einschreiben und einen passenden Stundenplan zusammenstellen. ARRrr.

 

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Laser-Party im Roska

Mehr dazu bald, ganz bald. I promise. Vielleicht dann auch mit freaky Slideshow, bis jetzt bekomme ich es noch nicht gebacken. Erstmal ein große KIITOS an Tampere und alle, die mir den Start hier so toll gemacht haben…eh..wartet wasn das? Ach meine Spotify-Werbung ist jetzt auf Finnisch.

By |2017-11-01T08:36:05+01:00August 24th, 2015|Allgemein, Ausland, Finnland|Kommentare deaktiviert für Erstes bloggisches finnisches Lebenszeichen.

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